Wieder einmal gibt es Neuigkeiten vom ehemaligen Naumannschen Hof in der historischen Ortsmitte zu berichten.

Familie Taraba legte im Sommer letzten Jahres hinter der Scheune einen kleinen Sandkasten für den Jüngsten der Familie an und sammelte sorgsam beim Aushub der Baugrube alle Fundstücke, wie z. B. Keramik- und Porzellanfragmete, aber auch formauffällige Steine zusammen. Nach späterer Begutachtung der gereinigten Objekte ließen sich zwei Steingeräte aus der Jungsteinzeit (ca. 5500 – ca. 2200 v. Chr.) feststellen. Bei den beiden Artefakten handelt es sich um ein Steinbeil, mit einer Länge von etwa 115 mm und einem Gewicht von 261 g, aus Felsgestein bestehend und einem kleineren Bruchstück eines sogenannten Dechsel (Querbeil) aus Amphibolit. Sie stammen vermutlich vom Beginn der Kupfersteinzeit (4500 – 2200 v. Chr.).

Bereits im Jahre 1925 wurde in diesem Bereich ein Axthammer, heute im Naturkundemuseum Leipzig befindlich, gefunden. Alle drei Fundstücke, die offensichtlich der gleichen Zeitepoche angehören, wurden beim Bau der Scheune aus tieferen Schichten in höher liegende Abschnitte umgelagert.

Der Aufmerksamkeit und dem Interesse der Finder ist es zu verdanken, dass dieser sensationelle Fund erst möglich wurde. Aus der Vergangenheit sind lediglich zwei weitere Steingeräte aus der Jungsteinzeit bekannt, die ehemals in der Sammlung des Völkerkundemuseums Leipzig lagerten und offenbar bei dem Bombenangriff auf Leipzig am 04.12.1943 zerstört wurden.

Derartig seltene Fundstücke sind aus den benachbarten Ortschaften, wie zum Beispiel Althen, Kleinpösna und Sommerfeld nicht überliefert.

Das Steinbeil gehört zu den wichtigsten Werkzeugen der europäischen Jungsteinzeit und trotz der wachsenden Bedeutung metallischer Werkstoffe gab es sie bis weit in die Bronzezeit hinein.

Bei der Herstellung dieser Steinbeile wurde zunächst ein geeignetes Stück Felsen grob behauen oder auch zugesägt und dann die Oberflächen, besonders die Schneide, auf einer Sandsteinplatte geglättet.

Oft hat man den Beilkörper auch für eine Schäftung durchbohrt. Dabei wurde ein Hohlbohrer, ein Knochenstück oder ein Ast durch eine Bogensehne angetrieben. Als Schleifmittel verwendete man dafür Sand. Ein Steinkörper mit Schaftloch, das ggf. mit einem Steinbohrapparat erzeugt wurde, bezeichnet man als Axt.

Frühe Beile erhalten die Schäftung durch Aufbinden auf ein Holz (Knieholmschäftung), durch Einstecken des Beils in einen Holm oder in ein Zwischenfutter (meist Hirschgeweih) im Holzschaft.

Während Beile und Dechsel dieser Zeit hauptsächlich zur Holzbearbeitung verwendet wurden, dienten Äxte oftmals nur der Repräsentation.

Im mittelalterlichen Volksglauben besaßen die steinernen Artefakte eine magische Bedeutung. Steinbeile seien vom Donnergott als Blitze in die Erde gesandt worden – so die vorwissenschaftliche Erklärung für derartige Fundstücke, weshalb sie Donnerkeil genannt wurden.

Es gibt Stellen, an denen Funde konzentriert vorkommen. Hier kann man von früheren Siedlungsplätzen sprechen. Die Fundstücke an solchen Orten sind häufig stark abgenutzt oder zerbrochen, stellen also steinzeitlichen „Abfall“ dar.

Ebenso existieren auch Fundstellen, wo überwiegend gut erhaltene, keineswegs abgenutzte Geräte als Einzelfunde, manchmal auch in größeren Stückzahlen auftauchen. Bei solchen Fundplätzen kann es sich durchaus um Depotstellen oder auch Gräber handeln.

Die drei unterschiedlichen Steinwerkzeuge (Axthammer, Steinbeil, Dechsel) aus unserer Ortsmitte sprechen für die letztgenannte Deutung.

Gleichzeitig bedeutet das für die Baalsdorfer Besiedlungsgeschichte eine Vordatierung, dass lange Zeit vor der Ersterwähnung der Ortschaft und der Ansiedlung der Flamen aus Flandern hier Menschen lebten.

 

Steffen Golde

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