Während der Bauarbeiten in der Baalsdorfer Kirche konnten im September und Oktober überraschende Befunde und Funde dokumentiert werden. Für die Herstellung eines neuen Fußbodens musste die, Mitte des 20.Jh.s, eingebrachte Dielung im mittleren und die umlaufend verlegten Ziegel im Kirchenschiff und dem Chorraum entfernt und das Niveau bis zu 0,40 m abgesenkt werden. Im Kirchenschiff kam etwa 0,30 m unter dem beräumten Laufhorizont Reste eines historischen Ziegelfußbodens zum Vorschein, dessen Entstehung höchst wahrscheinlich renaissancezeitlich (Mitte 16.Jh.) ist.

Offenbar wurde dieser historische Belag bei der letzten Sanierung dieser Art in den 1950-er Jahren teilzerstört. Im Zentrum der erhaltenen Fläche war eine ausgebesserte Stelle aus halben Klosterformatziegeln, Ziegelformsteinen und Feldsteinen aufgetreten. Auffällig war, dass die Formsteine mit jeweils einer abgerundeten Ecke denen am umlaufenden Traufgesims der Kirche und des Turms ähnlich sind und offenbar zeitgleich verbaut wurden. Dies geschah spätestens 1748, als die Baalsdorfer Kirche eine umfassende Sanierung erfuhr und sein heutiges äußeres Erscheinungsbild erhielt.

Neben diesem Ersatzmaterial für den Fußboden waren wenige originale Ziegelplatten, quadratischer Form, an Ort und Stelle verblieben und teilweise durch kleinere Ziegelplatten ersetzt worden. Ein äußerst bemerkenswerter und glücklicher Umstand ist, dass zwei dieser Platten mit jeweils einem Handabdruck zu finden waren („Baalsdorfer Spendenziegel“). Bei der Verlegung von zwei Ziegelplatten mit diesem sehr seltenen Abdruck muss eine gewisse Bedeutung unterstellt werden.

Der linke Handabdruck wirkte aufgrund seiner Lage dem Eintretenden gewissermaßen stoppend entgegen, während der rechte Abdruck um 90°C gedreht, als einladende Geste zum Weitergehen anhielt. Unter dem erwähnten Laufhorizont konnte eine schmale Sandschicht festgestellt werden, die über einer humos-sandigen Schicht lagerte. In dieser konnte Asche, Ruß, Holzkohle- Ziegelbruchpartikel, Dachpfannenfragmente, Keramik des deutschen Mittelalters (13./14.Jh.) und außerdem Reste von handgeschmiedeten Nägel gefunden werden. Offenbar handelt es sich hier um einen weiteren, früheren Laufhorizont.

Die ehemals verlegten Ziegelplatten konnten ebenso vor dem abgerissenen Altar, sowie dessen Fundament, auf  einer Fläche von etwa 0,90 x 1,50 m dokumentiert werden. Nach dem Entfernen des massiven Altarblockes kamen bei der Herstellung des nötigen Niveaus für die Unterkonstruktion des neuen Fußbodens nicht nur die erwähnten Ziegelplatten zutage, sondern es wurde ebenso die Form des früheren Altars mit einer Grundfläche von etwa 1,70 x 1,20 m sichtbar. An den Ecken konnten regelmäßig behauene Sandsteinblöcke und im Inneren Feldsteine bis zu 0,60 m Durchmesser freigelegt werden. Einen weiteren sehr interessanten Fund stellt eine kunstvoll, ausgeführte, jedoch beschädigte Sandsteinbasis oder -kapitel dar. An mehreren Stellen der Basis ließen sich noch die Bearbeitungsspuren durch den Spitzmeißel sehen. Nach neuesten Einschätzungen handelt es sich hierbei wahrscheinlich um die Basis des Taufsteins aus dem 12./13.Jh. Außerdem wurde nahe der Basis eine zerstörte Sandsteinplatte mit identischer Grundfläche gefunden. In der Apsis mit Freskenmalerei aus dem 15.Jh. (um 1420) traten am Fußboden Hinweise für eine ehemals vorhandene Kanzeltreppe auf, deren Negativabdruck sich am später eingebrachten Estrich abzeichnete. In der nicht vom Estrich überdeckten Fläche befand sich wiederum eine fast vollständig ungestörte Lage von Klosterformatziegeln aus dem 15./16.Jh. Über das Niveau des renaissancezeitlichen Fußbodens standen teilweise große Feldsteine, vor allem in der Nordostecke des Kirchenschiffes. Ob diese Feldsteine zu einem früheren Mauerfundament (Verbreiterung des Kirchenschiffes) oder zum Untergrund einer möglicherweise viel früheren Kanzel zählten, bleibt ungewiss. Ebenso konnten Reste von ehemaligen Eckverbänden, durchschnittlich 8,20 m von der Chorwand entfernt, eingemessen werden. Denkbar wäre, dass das Kirchenschiff tatsächlich nur etwa 8,20 m Länge besessen hat, bevor man Mitte des 18.Jh.s die Kirche vergrößerte. Die Unterkonstruktion der vier Emporenpfeiler war, bis auf den nordwestlichen Stiel, jeweils ein Natur- bzw. Bruchstein. Einzige Ausnahme war hierbei ein Bruchstück einer Sandsteingrabplatte mit Inschrift, nach erstem Anschein vom Anfang des 18.Jh.

Den wohl bedeutendsten Fund, aufgrund seiner genauen Datierung, stellt eine Kupfermünze aus dem Jahre 1728 dar. Die 1-Pfennig-Münze ist brandenburgisch-bayreuther Prägung, war offenbar im 18.Jh. zwischen die relativ großen Steinfugen des renaissancezeitlichen Ziegelbodens geraten und dort über zwei Jahrhunderte verblieben. Unter den Funden befindet sich neben der sog. blau-grauen Keramik (13./14.Jh.), ein wahrscheinlich bronze-eisenzeitliches Keramikfragment (ca. 1000 v.Chr.), ein Silexabschlag, unglasierte Gebrauchskeramik (14./15.Jh.), bemalte und glasierte Irdenware (gelb, grün; 15./16.Jh.), braun-graues Steinzeug (16./17.Jh.), ein verziertes Schaftfragment einer Meerschaumpfeife (17.Jh.), ein kleines Stück Fensterglas, verschiedene Eisenteile (Nägel, Beschlagreste, ein Schlüssel), ein Stück genähtes und gelochtes Leder (Gürtel, Gurt, vermutlich 20.Jh.) und ein kleines Gläschen (ehemals Tintenfass), gefüllt mit einem dunkelroten Farbpulver (20.Jh.).

Taufstein(?)basis aus der Zeit der Ersterwähnung von Baalsdorf

Der sensationellste Fund, der während der Sanierungsarbeiten im Herbst 2012 freigelegt und geborgen wurde, ist eine Basis, möglicherweise des Taufsteins des hölzernen Vorgängerbaus der heutigen Dorfkirche. Mit sehr hoher Gewissheit ist diese Basis als romanisch einzuordnen. Dafür spricht die ungleiche Eckzier – Neoromanik kann ausgeschlossen werden, da die Ausführung der ornamentalen Gestaltung des Sandsteins feiner, genauer und gleichmäßiger hätte sein müssen. Darüber hinaus befand sich die teilzerstörte Basis unterhalb des bei der Kirchensanierung gefundenen renaissancezeitlichen Ziegelfußbodens, der offenbar aus dem Jahr 1548 stammt. Eine in unmittelbarer Nähe aufgefundene Kissenplatte, wie man sie von Kapitellen kennt, könnte in sekundärer Verwendung unter der Taufstein(?)basis gestanden haben.

Bei der Basis handelt es sich offenbar um eine Sonderform der sogenannten Ecksporen, die um oder etwas vor der Mitte des 12.Jh. aufgekommen sind. In der Provinz treten seitdem gelegentlich diese Ausformungen auf. Die Ausarbeitungen im Inneren der Basis stammen höchstwahrscheinlich von einer nicht identifizierbaren Sekundärverwendung.

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