Vermutlich entstand der Name des alten Gasthauses, an der Ecke Baalsdorfer- und Brandiser Straße, aus der Ableitung des Vornamens des Besitzers Friedrich Elste, mit gewissem Bezug auf den preußischen König „Friedrich der Große“.

Die Gaststätte war zur Zeit seiner Entstehung, etwa Mitte des 18.Jahrhunderts, sicherlich zunächst als Wohnhaus eines Bauerngutes konzipiert.

Als Eigentümer wurde in historischen Adressbüchern des Leipziger Landes der Jahre 1908 und 1918 ein Karl Reuter als Restaurationsbesitzer unter der Anschrift Liebertwolkwitzer Straße 1 geführt. Weiteres ist aus dieser Zeit allerdings nicht bekannt.

Nach ihm ist Familie Elste als Besitzer nachweisbar.

Friedrich Elste (1884-1974) kam ursprünglich mit seiner Frau Lina Anna (1885-1963) und der gemeinsamen Tochter Martha (1910-1991) aus Teuchern bei Weißenfels nach Baalsdorf. Vor der Übernahme des Gasthofes von Karl Reuter beschäftigte er sich mit der Setzung von Schornsteinen und besaß ein Ladengeschäft in Stötteritz.

Gemeinsam nahmen Sie die Arbeit im Gasthof auf und wohnten seither, in dem vermutlich in den 1930-er Jahren errichteten Wohnhaus in der Liebertwolkwitzer Straße 3 (heute Baalsdorfer Straße).

Der-Gasthof-von-Osten-mit-Freisitz-und-Anbau-–-um-1935

Auf dem Grundstück gab es nicht nur den regulären Ausschank, sondern auch Speisen aus eigener Produktion. Neben der Tierhaltung (Ställe, Scheune) existierten Räumlichkeiten zur Herstellung (Schlachthaus), Verarbeitung (Räucherkammer) und ein Verkaufsraum (Laden in Nr. 5).

Martha Elste heiratete später Kurt Held (1908-1980), einen Tischlermeister aus Lindenthal.

Dieser stellte sich als ein wahrer Gewinn für das Familienunternehmen dar. Kurt kaufte später das angrenzende Marhold´sche Grundstück hinzu, um eine zukunftsorientierende Expansion des gut gehenden Gaststättenbetriebes zu erreichen.

In den 1950/60-er Jahren kam der Speiseeisverkauf im Seitengebäude des Hofes hinzu. Hier wurde hauptsächlich am Wochenende selbst hergestelltes Eis an zahlreiche Ausflügler ausgegeben.

Seitengebäude-und-späterer-Eisverkauf-–-um-1935

Eine moderne Kühlanlage für Fass- und Flaschenbier wurde um 1970 im Lager eingebaut.

Zum „Alten Fritz“ war in weitem Umkreis der einzige Ort, wo man das berühmte Colditzer Bier „Schwarze Sau“ trinken konnte.

Erwähnenswert ist außerdem eine Besonderheit im Gastraum. Hier stand etwa mittig, der mit Holzspänen betriebene Kanonenofen. Ein zuvor sorgsam gestopfter Einsatz mit Spänen lieferte etwa 6-7 Stunden kontinuierliche Wärme.

Der Baalsdorfer Dietmar Frenzel, von dem hier viele Fakten stammen, kann sich noch genau an Einzelheiten des ehemals sehr gut betriebenen und besuchten Familienunternehmens erinnern. Er selbst hat dort viele Jahre gearbeitet und berichtet von der geschäftlichen Vielseitigkeit des Betreibers Kurt Held.

Dieser hatte neben dem Gaststättenbetrieb seine Beschäftigung als Taxi- bzw. Krankentransportunternehmer. Außerdem hatte er eine Lizenz für die sogenannte Landfilmvorführung. Einmal wöchentlich war er in den umliegenden Ortschaften unterwegs, um mit geliehenen Filmen und Geräten, Erwachsenen und Kindern die Kinowelt nahe zu bringen.

Von ihm wird gesagt, dass er niemals Urlaub nahm. Er schänkte sogar noch Bier aus, wenn seine Frau sich einige Tage frei nahm.

Nach dem Tod von Kurt Held verpachtete Martha die Gaststätte an Familie Benke, die den Betrieb bis etwa Mitte der 1990-er Jahre fortführte. Danach gab es keine Nachfolger mehr.

Nun nach über 20-jährigem „Dornröschenschlaf“ entfacht, wenn auch kurzzeitig, das Interesse an dem historischen Wert des Grundstückes.

Die Bauherrengemeinschaften S.Wendrich/Ch.Weiß aus Rückmarsdorf und Mölkau bzw. N.Nattrodt/T.Schuchert aus Baalsdorf und Böhlitz planen das etwa 1800 m² große Grundstück zu teilen, um jeweils ein Einfamilienhaus darauf zu errichten.

Für die Umsetzung dieser Pläne wird in naher Zukunft die Gaststätte mit sämtlichen Nebengebäuden und dem ehemaligen, mittlerweile ebenso verfallenen Wohnhaus Nr. 3 abgerissen werden.

Für die jungen Bauherrenpaare ein gutes Gelingen und alles Gute für die Zukunft.

Steffen Golde

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