In diesem Jahr jährt sich zum 500. Mal der Tag der Reformation. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Trennungsgeschichte der Christenheit bis in die Gegenwart spürbar ist, geraten besonders in diesem Jahr Martin Luther (1483-1546), sein Leben, seine 1517 angeschlagenen Thesen und die daraus resultierende Entstehung der evangelischen Kirche verstärkt in den Fokus von Befürwortern, aber auch Zweiflern.

Ohne mit dem Artikel eine Meinungsbildung erzeugen zu wollen, soll an dieses historische Ereignis hier lediglich erinnert werden.

Ein bekannter Theologe und Reformator mit familiärer Nähe zur Nachbargemeinde Mölkau war Alexander Alesius (1500-1565). Er war gebürtiger Schotte, jedoch durch seine Flucht aus Glaubensgründen seit 1533 ein in Deutschland tätiger Theologe und Reformationsanhänger.

1533 kam er nach Wittenberg. Ab 1543 war er Professor an der Universität Leipzig, wo er 1555 und 1561 auch als Rektor amtierte. Bestattet wurde Alesius auf dem Friedhof in Zweinaundorf.

Seit 1710 befindet sich sein Grabstein in der Mölkauer Dorfkirche. Vermutlich hat sein Enkel Johann Friedrich Scipio, ehemaliger Kirchenpatron und Gründer der Kirche, die Sandsteinplatte bei deren Errichtung Anfang des 17.Jh. im Inneren aufstellen lassen.

Wer waren aber die Menschen in unserem Ort zu dieser Zeit, wie lebten sie, was haben sie in dieser Zeit des Wandels, des Umbruchs und der öffentlichen Anprangerung vor allem des Ablasshandels empfunden.

Leider gibt es kaum entsprechende Quellen dazu. Allein die spärlichen und eher zufälligen Eintragungen in den Kirchenbüchern, als Ergänzung zu den persönlichen Daten, geben teilweise Informationen zu früheren Baalsdorfer Bewohnern, wie beispielsweise ihren Berufs- und Familienstand wieder.

Bei der Recherche zu den ältesten Familiennamen wurden die Registerbücher im Kirchenarchiv im Pfarramt gesichtet.

Die Eintragungen reichen hier bis ins Jahr 1573 zurück. Auf wenigen teilweise losen Blättern des Tauf-, Trau- und Bestattungsbuches der Kirchgemeinde Baalsdorf mit Mölkau von 1573-1630 stehen die ältesten Namen.

Es sind die Sterbeeintragungen von Hans Sperling (s. Foto) und „Elisabeth, Balthasars Weib“, beide im Jahr 1573 gestorben.

Damals war es nicht üblich den Tag, die Todesursache oder den Berufsstand festzuhalten. Auch reichte es den Kirchenbuchführern aus, wie in Elisabeths Fall, lediglich den Vornamen des Ehemannes zu nennen.

Die Namen anderer Familien, die zur Zeit der Reformation bis zum Ende des 16.Jahrhunderts hier anzutreffen waren und in Vergessenheit gerieten, sollen an dieser Stelle genannt sein. Es waren beispielsweise die Familien:

Altner, Albrecht, Arnold, Barthel, Beyer, Böttger, Bohne, Bretschneider, Clauß, Clementz, Döringer, Dietzel, Draber, Erhardt, Eulitz, Förster, Fischer, Franck, Gärtner, Gaulitz, Göldner, Günther, Guhr, Hagenest, Helmuth, Herbert, Jahn, Junge, Kahle, Kestner, Kind, Knobloch, Langer, Laux, Lindner, Lorentz, May, Michel, Münch, Nebe, Nitzsche, Otten, Petzel, Petzold, Pfeiffer, Pötzsch, Schilde, Schröter, Sperling, Stolle, Voigt, Weber, Wittig, Zeidler und Zenker.

So mancher Baalsdorfer Einwohner wird sicher seine Wurzeln in einer dieser Familien finden können.

Der älteste Traueintrag, nahezu ein Jahrhundert später, ist die Verbindung von „Lorenz Voigt von Paunsdorf und Anna Bohne zu Balsdorf, copuliert den 5.July 1646“.

Eines ist gewiss – so manches Wissenswerte könnte man in diesen unaufgearbeiteten Akten noch finden.

Steffen Golde

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