800 Jahre Baalsdorf

Das 800 Jahre alte Baalsdorf freut sich auf seiner Gäste

Es waren 19 Familien aus Flandern, die als erste Bewohner des Ortes gelten dürfen. Sie nannten die neue Siedlung zunächst „Balduinesdorp“. Aus dieser Bezeichnung hat sich der heutige Ortsname „Baalsdorf“ herausgebildet. Die Neuankömmlinge legten insgesamt fünf Teiche an, um die sie in sogenannten „Hufen“ siedelten. Zwei dieser Teiche existieren noch immer auf dem Anger, der nach wie vor die Ortsmitte des alten Dorfes darstellt. Damals waren die Kirche und das Gemeindehaus, später die Schule und in der Neuzeit die Schmiede auf dem Anger zu finden. Heute existiert in Baalsdorf keine Schule mehr. Dafür ist die romanische Kirche zum Wahrzeichen des Ortes geworden. Und geschmiedet wird auf dem Anger noch immer: Die Kunstschmiede Althammer ist ein Handwerksbetrieb von internationalem Ruf und der Gasthof eine über Baalsdorf hinaus bekannte Lokalität.

Die Wirren der kriegerischen Auseinandersetzungen im Laufe der Jahrhunderte hat Baalsdorf nahezu unbeschadet überstanden. Bis zum Jahre 1995 war das Dorf eine politisch selbständige Gemeinde. In dieser Zeit entstand auch die „Neue Ortsmitte“, ein Neubaugebiet, dem wir zahlreiche neue Einwohner zu verdanken haben. Die Einwohnerzahl stieg damit von 900 auf ca.1.650. Im Jahre 1995 fand der Zusammenschluss mit der Gemeinde Engelsdorf statt. Als deren Ortsteil wurde Baalsdorf 1999 im Rahmen einer Gemeindegebietsreform in Sachsen in die Stadt Leipzig eingegliedert.


Nun sind 800 Jahre ein Grund zum Feiern und das werden die Baalsdorfer auch tun:
In einer Festwoche vom 23. bis 30. Juni 2013!

Den Beginn wird die Eröffnung der historischen Ausstellung markieren. Diese täglich zu sehende Schau wird die Geschichte anhand von Exponaten und Dokumenten bezeugen. Am 27. Juni werden mit einem Konzert in der Kirche, das traditionell unter Mitwirkung Baalsdorfer Musiker zu den Dorffesten stattfindet, die Festtage beginnen. Höhepunkt bildet am Freitag der Baalsdorfer Abend; hier wird in festlicher Form u. a. die Chronik des Dorfes beleuchtet werden. Samstag und Sonntag bieten wir auf dem Anger ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm; Tanz für Jung und Alt, Festumzug und viele weitere Showeinlagen.

Da Baalsdorf  auf keine eigene Kommunalverwaltung zurückgreifen kann, lastet die Vorbereitung und Durchführung auf den Schultern von uns Baalsdorfern selbst. Der Kultur- und Heimatverein wird gemeinsam mit dem Gewerbeverein, der Freiwilligen Feuerwehr, der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde, den Freunden der Modelleisenbahn sowie unserer Laienspielschar und vielen Baalsdorfer Bürgern und Gewerbetreibenden die Festwoche gestalten. Wir bedanken uns beim Ortsvorsteher Volker Zocher und der Redaktion des Angerblattes Kerstin Eydner für die Unterstützung. Einen besonderen Dank sprechen wir unseren Sponsoren aus. Ohne deren Hilfe wäre ein solches Fest nicht möglich!

Wir freuen uns auf diesen Höhepunkt und laden alle Bürger ganz herzlich dazu ein.

 


 

800 Jahre Baalsdorf – Geschichtlicher Abriss

Steinzeit
Seit Jahrtausenden wird das Gebiet der heutigen Ortschaft Baalsdorf und den umliegenden Dörfern besiedelt.

Aus der jüngeren Steinzeit (etwa 5000-2000 vor Christus) stammen die ältesten Fundstücke aus Baalsdorf.

So erwähnen Quellen einen kleinen, durchbohrten Axthammer, der sich bei Schachtarbeiten zur Scheune von Gutsbesitzer Naumann, nahe der Baalsdorfer Kirche im Jahr 1925 gefunden wurde. Dieser wurde später dem Naturkundemuseum in Leipzig als Leihgabe übergeben.

Nach seiner Form kann er den Schnurkeramikern (Name nach den schnurähnlichen Verzierungen auf ihren Nutzgefäßen) zugeschrieben werden.

Dieses und ein weiteres Artefakt (Steinbeil) aus Baalsdorf wurden in der Bombennacht am 04.12.1943 zerstört.

In der Baalsdorfer Kirche wurde ein steinzeitlicher Silexabschlag, während der Sanierungsarbeiten im Herbst 2012 gefunden.

Diese sind charakteristisch geformte Absprengungen bei der Herstellung von steinzeitlichen Werkzeugen.

Bronzezeit
In der folgende Epoche – der Bronzezeit, etwa 1800 – 800 vor Chr., wurden erstmals metallische Werkzeuge und Waffen aus Bronze hergestellt.

Einzelfunde aus der Engelsdorfer-/Baalsdorfer Flur beweisen auch die Anwesenheit von Siedlern zu dieser Zeit.

Ein tönerner Spinnwirtel konnte z.B. in Engelsdorf gefunden werden.

Außerdem wurden während des Autobahnbaus (A14) in der Engelsdorfer-, Althener- und Kleinpösnaer Flur zahlreiche bronze-/eisenzeitliche Funde zutage gebracht, die seit mehr als 70 Jahren unpubliziert und ohne Auswertung in Dresdner Archiven lagern.

Es kann davon ausgegangen werden, dass auch in der Baalsdorfer Flur die Menschen der Bronzezeit siedelten. Genaue Hinweise auf diese Siedlungsstrukturen fehlen allerdings bis heute.

Die Besonderheit der Bronzezeit war, dass seitdem die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und der Leichenbrand in Urnen gefüllt wurde.

Eisenzeit
In Mitteleuropa beginnt die Eisenzeit im 8. Jahrhundert v. Chr. Sie wird unterteilt in: Frühere und Ältere Eisenzeit – die Hallstattzeit (800-450 v. Chr.) und die Späte oder Jüngere Vorrömische Eisenzeit (450 v. Chr. – Ende 1. Jh. v. Chr.) – die Latènezeit.

Die Eisenzeit ist eine nach dem verwendeten Material zur Werkzeugherstellung benannte Periode der Ur- und Frühgeschichte. In der einfachen Gliederung des Dreiperiodensystems gilt sie nach der Steinzeit und der Bronzezeit als dritte große Periode der Frühgeschichte.

In dieser Epoche begann man Eisen für Werkzeuge und  Waffen zu verwenden.

Auf die Eisenzeit folgten in unseren Breiten weitere frühgeschichtliche Kulturen.

Slawenzeit
Seit Mitte des 6. Jahrhunderts drangen westslawische Gruppen in mehreren Einwanderungswellen bis in das Gebiet des heutigen Deutschland vor.

Eine archäologisch untersuchte frühe slawische Siedlung lag beispielsweise auf dem Zoberberg bei Mosigkau.

Ab dem Ende des 6. Jahrhunderts und im Verlauf des 7. Jahrhunderts wanderten die Lausitzer Stämme sowie die Vorläufer der Wilzen ins heutige Ostdeutschland ein.

Seit dem 7. Jahrhundert bildeten sich aus den verschiedenen Einwanderern mehrere Stammesverbände heraus, insbesondere die Milzener und Lusitzi in der Lausitz, die Heveller an der Havel im heutigen Brandenburg und die Wilzen/Liutizen und Abodriten in Mecklenburg.

Die Flamen
Im 12. und 13. Jahrhundert wanderten viele Flamen innerhalb des Heiligen Römischen Reiches aus und siedelten in neu erschlossene, elbnahe Gebiete, wovon vor allem der Name der Region Fläming zeugt.

Als Flamen (niederländisch Vlamingen) bezeichnen sich niederländisch sprachige Einwohner der belgischen Region Flandern.

Historisch gesehen bezieht sich Flandern und Flamen nur auf die Provinzen West- und beziehungsweise auf die frühere Grafschaft Flandern, also den westlichen Teil der heutigen Region Flandern.

Unser Ort Baalsdorf wurde im 12. Jahrhundert von Siedlern aus Flandern, als typisches Straßenangerdorf gegründet.

Ein kürzlich gefundenes Relikt aus dieser Zeit konnte bei Sanierungsarbeiten in der Baalsdofer Kirche im Herbst 2012 freigelegt werden.

Es handelt sich um eine Sandsteinbasis, die offenbar zum Taufstein des Kirchenvorgängerbaus gehörte und um 1200 von Steinmetzen kunstvoll verziert hergestellt wurde.

Geschichtliche Daten zum Ort
Die erste urkundliche Erwähnung der damals Balduwinesdorp genannten Siedlung stammt aus dem Jahre 1213, als Markgraf Dietrich von Meißen das Dorf dem Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas in Leipzig zueignete.

Es kann angenommen werden, dass der Ort bereits im 11. Jahrhundert, wenn nicht noch früher, bestanden hat. Denn bereits vor dem Jahre 1213 gehörte der Ort der Nikolaikirche zu Leipzig, im genannten Jahr aber schenkte der Markgraf Dietrich das Dorf an das neu gestiftete Thomaskloster. Um diese Zeit hatte der Ort 23 Höfe.

Im 13. Jahrhundert wurde um die bis dahin bestehende kleine Holzkirche eine massive Chorturmkirche erbaut. Ihre um 1420 gefertigten Wandmalereien wurden 1958 freigelegt.

Für folgende Jahre sind Einwohner gemeldet: 1552 – 21 besessene Mann, 10 Inwohner; 1764 – 22 besessene Mann, 1 Häusler, 19 hufen je 27 Acker; 1834 – 202 Einwohner; 1871 – 274 Einwohner; 1890 – 292 Einwohner; 1910 – 344 Einwohner; 1925 – 402 Einwohner; 1939 – 870 Einwohner; 1946 – 1082 Einwohner; 1950 – 1089 Einwohner; 1964 – 975 Einwohner; 1990 – 1012 Einwohner.

In historischen Quellen gibt es in der Schreibform des Ortes leichte Veränderungen, so:

1213:Balduwinesdorp; 1218:Boldewinesdorp; 1359:Balderßdorf; 1399:Baldinsdorff; 1475:Baldi-storff; 1541:Baldeßdorff, Balßdorff; 1548:Bannsdorff

Baalsdorf gehörte ab 1485 zum Herzogtum Sachsen. Nach der Auflösung des Thomasklosters im Zuge der Säkularisierung wurde der Ort 1543 der Herrschaft des Leipziger Rates unterstellt.

Der Rat zu Leipzig soll sich im Jahre 1622 vom Rittergut Pomßen 500 Scheffel Korn geborgt haben, die er nicht bezahlen konnte. Dafür trat er die beiden Dörfer Baalsdorf und Hirschfeld im Jahre 1641 an den Reichs-Pfennigmeister Hans von Ponickau auf Pomßen ab. Da die Familie von Ponickau gleichzeitig auch Belgershain besaß, so sind Baalsdorf und Hirschfeld an das Haus Belgershain wahrscheinlich schon im Jahre 1641 gekommen.

Die Ponickauer Familie auf Belgershain hat Baalsdorf und Hirschfeld bis 1785 besessen. Der letzte von Ponickau starb am 24. Oktober 1780 und wurde in der Belgershainer Kirche beigesetzt. Hierauf kam Belgershain mit Baalsdorf und Hirschfeld an den Churfürstlich Sächsischen Reisemarschall Grafen von Rex, der aber bald starb. Im Jahre 1792 kaufte dann Belgershain mit allen dazu gehörigen Gütern (Köhra, Lindhardt, Threna, Rohrbach, Baalsdorf und Hirschfeld) der Königlich Sächsische Geheimrat Friedrich Emilius von Uechtritz. Als dieser 1818 starb, erbte den ganzen Besitz sein Neffe Emil von Uechtritz. Dieser war zuletzt Gesandter in Wien und beabsichtigte, sich im Österreichischen anzukaufen. Aus diesem Grunde verkaufte er seine sämtlichen genannten Güter an Herrn Friedrich von Zehmen auf Markersdorf, einem guten Ökonomen, der in allen ihm gehörigen Dörfern die Fronen ablöste. 1806 wurde an der Straße nach Holzhausen eine Windmühle errichtet, die 1904 abgebrochen wurde.

Während der Völkerschlacht im Oktober 1813 wurde auch Baalsdorf stark in Mitleidenschaft gezogen. Die französischen Truppen hielten den Ort vom 14. bis zum 18. Oktober 1813 besetzt und plünderten ihn. Anschließend wurde das Dorf von russischen und österreichischen Truppen besetzt und erneut geplündert. 1838 lebten in Baalsdorf etwa 180 Einwohner. Die Größe der Baalsdorfer Flur betrug ca. 390 ha. Von der in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung blieb der Ort zunächst verschont.

Erst um 1900 entstanden zwei Dampfziegeleien. Einer der Betriebe musste aber bereits 1908 wieder aufgegeben werden, weil Grundwasser in die Tongrube eindrang. Sie wurde ab dem 1. Juni 1913 als See- und Familienbad genutzt, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs existierte. Nach Kriegsende wurde auch die Produktion in der verbliebenen Dampfziegelei, die sich zum führenden Arbeitgeber des Ortes entwickelt hatte, eingestellt.1946 wurden in Baalsdorf ca. 1100 Einwohner gezählt. Bis 1948 entstanden eine landwirtschaftliche Maschinenstation und ein Pferdezuchtverband. Die 1952 gebildete LPG baute in den 1960-er Jahren einen umfangreichen Geflügelzuchtbetrieb auf.

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Laienspielgruppe Baalsdorf

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Wer kennt sie nicht – die stets gut gelaunten 15 Damen und Herren zwischen 24 und 77 Jahren, die bei keinem Heimatfest oder ähnlichen Feierlichkeiten in Baalsdorf fehlen dürfen!

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